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Nofretete, einer Berlinerin? Ihre Herkunft als "Königin vom Nil" ist kein Geheimnis, und so verkörpert sie für viele Besucher die große Faszination des Alten Ägyptens. Auch die Tafeln im Ägyptischen Museum beschreiben ihre herausragende Bedeutung für das Reich der Pharaonen. Und zugleich ist sie zu einem Synonym für die Hauptstadt geworden, die sicher nicht ihre Wahlheimat wäre. Schön für Berlin.
Die lückenlose Vermarktung der Büste ist aber nicht nur Zeugnis der Popularität der Ägypterin, sondern auch einer geistlosen Verramschung. 2003 war sie für Ägypten Stein des Anstoßes, als sie mit Genehmigung des Berliner Museums Teil einer als obszön empfundenen Videoinstallation der Biennale wurde. Die Touristik wirbt mit einem manipulierten Antlitz, das sie zum Brandenburger Tor aufschauen lässt - mit dem einen Auge, das nun an der falschen Seite sitzt. Es geht jedoch mehr um die Politik als um die Kunst: Die angeblich berühmteste Frau der Stadt muss heute für durchaus fragwürdige Berliner Angelegenheiten den Kopf hinhalten.
Sehen Sie selbst.
Nacht der Schönheit - Von Nofretete bis Kirchner
"Berlin - Unter der Schirmherrschaft von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sollen die Besucher bis zwei Uhr in der Nacht der Frage nachgehen, 'wer der oder die Schönste' im ganzen Land ist. Steinmeier und der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, stellten das Programm vor. Beteiligt sind 14 Museen, von der Berliner Gemäldegalerie am Kulturforum im Tiergarten bis zu den Häusern auf der Museumsinsel. Die Besucher sollen dabei zwischen der ägyptischen Schönheit Nofretete und der griechischen Bronzestatue des 'Betenden Knaben', kämpfenden Götter und Giganten auf dem Fries des Pergamonaltars und Renoirs charmante Französinnen wählen." mehr
Berlin - Mekka für Kunst und Kultur
Für die Werbe-Anzeige ist Nofretete selbst einer Schönheits-OP unterzogen worden. Ihr fehlendes Auge sitzt nun nicht auf der linken sondern auf der rechten Seite. So kann sie den Betrachter besser anlächeln. mehr
Aus der Museumsführung des Ägyptischen Museums
"Untrennbar ist der Name des Ägyptischen Museums nach jahrelanger Betonung mit dem Bild der Nofretete verbunden. Ob man sich nun im Museumsshop umschaut, einen der Kataloge zur Hand nimmt, überall ist ihr Konterfei zu finden. Selbst die Angestellten des Museums lassen bei einer Nachfrage keine Gelegenheit aus um auf das 'HighlightÄ der Sammlung hinzuweisen. "Was, Sie waren in Berlin und haben die Nofretete nicht gesehen?" scheinen sie alle warnen zu wollen." mehr
Nofretete kehrt auf die Museumsinsel zurück
"Deutschland-Radio: Es ist also damit zu rechnen, dass künftig mehr Besucher auf die Museumsinsel kommen, um die Nofretete zu sehen. Ist das denn Ihre einzige Hoffnung oder geht die Bedeutung noch darüber hinaus?
Lehmann: Es sind zwei Dinge. Es ist zum Einen natürlich, dass wir dadurch noch mal die Attraktivität der Museumsinsel steigern, die ja jetzt schon mit Pergamonmuseum mit 900.000 Besuchern exzellent ist und mit den anderen Museen, also Nationalgalerie und Altes Museum. Das Zweite ist aber, klar zu machen, wo die Wurzeln Europas waren. Die Wurzeln Europas reichen eben über die enge Geographie einer Europäischen Union hinaus. Da sind die ganzen Vorgeschichten der Sumerer, da ist eben auch die Geistesgeschichte Ägyptens, die dann an Griechenland weitergegeben worden ist. Das heißt, Sie können eigentlich aus diesen Kunstwerken, Nofretete ist so ein Magnet dazu, quasi immer die Schnittstellen, die Bruchstellen, was ist an Ideen weitergegeben worden, ganz sinnlich empfinden. Nicht durch trockene Lektüre, sondern wirklich durch die Anschauung zu sehen, wie ist dieses Europa gewachsen, was waren die Wurzeln und Nofretete ist die beste Botschafterin dafür." mehr
Die Museumsinsel braucht Ihre Unterstützung
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz wirbt mit der Nofretete-Büste für Spenden. mehr
weiterführende Links:
Nofretete heute - Vermarktung
Die Geschichte der Nofretete-Büste: Chronologie |