Nofretete in Berlin

 

Was haben Marlene Dietrich, Käthe Kollwitz und Nofretete gemeinsam? Sie alle sind berühmte Berlinerinnen. Ausgerechnet die ägyptische Königin soll aber die berühmteste sein.

Für die Hauptstadt spielt sie heute eine ambivalente Rolle: Gefeiert als Publikumsmagnet lässt sie auf der Museumsinsel die Kassen klingeln. Hunderttausende Besucher statten ihr jedes Jahr einen Besuch ab. Immer wieder umgezogen, soll sie ab 2009 im neuen Museumsbau einen Saal für sich allein bekommen.

 

"Nofretete kommt": Im Neuen Museum soll die Ägyptische Königin ab 2009 gezeigt werden.

 

In der Geschichte Berlins ist Nofretete ein Symbol der Ost-West-Teilung: Die frühere ägyptische Sammlung, die nach 1945 getrennt wurde, wurde 2005 wieder zusammengeführt, nachdem der innerdeutsche Konflikt um die Büste jahrzehntelang zu massiven Spannungen geführt hatte.

Die Berliner Touristik wirbt mit der Büste in einer Reihe mit dem Brandenburger Tor und der Siegessäule, sie wurde für den städtischen Wahlkampf verunstaltet, und in jedem Souvenir-Shop findet man zwischen Mauerbröckchen und Bären ihr Konterfei in unzähligen mehr oder meistens minder gelungenen Variationen. Für die Staatlichen Museen ziert Nofretete nun den öffentlichen Spendenaufruf.

 

"Menschen in Berlin": Die Plakatserie stellt Nofretete und andere antike Einwohner der Hauptstadt vor.

 

Nofretete, einer Berlinerin? Ihre Herkunft als "Königin vom Nil" ist kein Geheimnis, und so verkörpert sie für viele Besucher die große Faszination des Alten Ägyptens. Auch die Tafeln im Ägyptischen Museum beschreiben ihre herausragende Bedeutung für das Reich der Pharaonen. Und zugleich ist sie zu einem Synonym für die Hauptstadt geworden, die sicher nicht ihre Wahlheimat wäre. Schön für Berlin.

Die lückenlose Vermarktung der Büste ist aber nicht nur Zeugnis der Popularität der Ägypterin, sondern auch einer geistlosen Verramschung. 2003 war sie für Ägypten Stein des Anstoßes, als sie mit Genehmigung des Berliner Museums Teil einer als obszön empfundenen Videoinstallation der Biennale wurde. Die Touristik wirbt mit einem manipulierten Antlitz, das sie zum Brandenburger Tor aufschauen lässt - mit dem einen Auge, das nun an der falschen Seite sitzt. Es geht jedoch mehr um die Politik als um die Kunst: Die angeblich berühmteste Frau der Stadt muss heute für durchaus fragwürdige Berliner Angelegenheiten den Kopf hinhalten.

Sehen Sie selbst.

 

Nacht der Schönheit - Von Nofretete bis Kirchner

"Berlin - Unter der Schirmherrschaft von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sollen die Besucher bis zwei Uhr in der Nacht der Frage nachgehen, 'wer der oder die Schönste' im ganzen Land ist. Steinmeier und der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, stellten das Programm vor. Beteiligt sind 14 Museen, von der Berliner Gemäldegalerie am Kulturforum im Tiergarten bis zu den Häusern auf der Museumsinsel. Die Besucher sollen dabei zwischen der ägyptischen Schönheit Nofretete und der griechischen Bronzestatue des 'Betenden Knaben', kämpfenden Götter und Giganten auf dem Fries des Pergamonaltars und Renoirs charmante Französinnen wählen." mehr

 

Berlin - Mekka für Kunst und Kultur

Für die Werbe-Anzeige ist Nofretete selbst einer Schönheits-OP unterzogen worden. Ihr fehlendes Auge sitzt nun nicht auf der linken sondern auf der rechten Seite. So kann sie den Betrachter besser anlächeln. mehr

 

Aus der Museumsführung des Ägyptischen Museums

"Untrennbar ist der Name des Ägyptischen Museums nach jahrelanger Betonung mit dem Bild der Nofretete verbunden. Ob man sich nun im Museumsshop umschaut, einen der Kataloge zur Hand nimmt, überall ist ihr Konterfei zu finden. Selbst die Angestellten des Museums lassen bei einer Nachfrage keine Gelegenheit aus um auf das 'HighlightÄ der Sammlung hinzuweisen. "Was, Sie waren in Berlin und haben die Nofretete nicht gesehen?" scheinen sie alle warnen zu wollen." mehr

 

Nofretete kehrt auf die Museumsinsel zurück

"Deutschland-Radio: Es ist also damit zu rechnen, dass künftig mehr Besucher auf die Museumsinsel kommen, um die Nofretete zu sehen. Ist das denn Ihre einzige Hoffnung oder geht die Bedeutung noch darüber hinaus?

Lehmann: Es sind zwei Dinge. Es ist zum Einen natürlich, dass wir dadurch noch mal die Attraktivität der Museumsinsel steigern, die ja jetzt schon mit Pergamonmuseum mit 900.000 Besuchern exzellent ist und mit den anderen Museen, also Nationalgalerie und Altes Museum. Das Zweite ist aber, klar zu machen, wo die Wurzeln Europas waren. Die Wurzeln Europas reichen eben über die enge Geographie einer Europäischen Union hinaus. Da sind die ganzen Vorgeschichten der Sumerer, da ist eben auch die Geistesgeschichte Ägyptens, die dann an Griechenland weitergegeben worden ist. Das heißt, Sie können eigentlich aus diesen Kunstwerken, Nofretete ist so ein Magnet dazu, quasi immer die Schnittstellen, die Bruchstellen, was ist an Ideen weitergegeben worden, ganz sinnlich empfinden. Nicht durch trockene Lektüre, sondern wirklich durch die Anschauung zu sehen, wie ist dieses Europa gewachsen, was waren die Wurzeln und Nofretete ist die beste Botschafterin dafür." mehr

 

Die Museumsinsel braucht Ihre Unterstützung

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz wirbt mit der Nofretete-Büste für Spenden. mehr

 

 

weiterführende Links:

Nofretete heute - Vermarktung

Die Geschichte der Nofretete-Büste: Chronologie

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