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Das Stück gilt als ein Höhepunkt der griechischen Töpferkunst. Vor mehr als 2500 schuf der Maler Euphronios den Kelch mit den berühmten Szenen der antiken Götterwelt: Sarpedon, Sohn des Zeus und der Europa, stirbt in der trojanischen Schlacht. Sein Körper wird davon getragen, begleitet von Hermes und zwei trojanischen Kriegern. Durch Verwendung von verschiedenen Farbtönen aus dünnflüssigem Ton konnte der Künstler eine bis dahin nicht erreichte, anatomisch präzise Darstellung der Körper ermöglichen.
Auch hinsichtlich der Kombination von Form und Malerei ist das Gefäß ein Meisterstück. Die schwarze Bemalung von Fuß, Henkel und Vasenunterkörper umrahmt den hellen Bildraum - ein weitere Innovation von Töpfer und Maler. Unüblicherweise signierten beide das Gefäß, ein Zeichen dafür dass auch beiden Künstlern die Bedeutung ihrer Arbeit bewusst gewesen sein muss.
Insgesamt sind 27 von Euphronios bemalte Vasen erhalten geblieben, doch der 'Sarpedon-Krater' ist das einzige komplett erhaltene Stück. Als das Metropolitan Museum of Art 1972 den Kauf des Meisterwerkes als "One of the greatest acquistions in the Museum's entire 102-year history" ankündigte, überschlugen sich prompt die Spekulationen. Nicht nur die Einmaligkeit des Stückes, sondern auch die gezahlte Rekordsumme von einer Million Dollar erregten allgemeines Aufsehen.
Da von offizieller Museumsseite weder Auskünfte über den vorherigen Besitzer, noch zur Identität des Händlers gegeben wurden, begannen Reporter, NYPD, FBI und die italienischen Carabinieri im Fall des als 'Hot Pot' deklarierten Kraters zu recherchieren.
Im Februar 1973, nur wenige Monate nachdem das MET den Kauf des einzigartigen Stückes bekannt gegeben hatte, waren die italienischen Behörden schließlich überzeugt, dass das Stück unrechtmäßig außer Landes geschmuggelt worden war. Die folgenden Investigationen sollten als 'Watergate des Kunsthandels' Maßstäbe setzten.
Die zentralen Drahtzieher und größten Profiteure des Geschäftes wurden schnell gefunden: der Schweizer Robert E. Hecht, in der Türkei nach dem Handel mit geraubten Kunstgegenständen bereits zur persona non grata erklärt, bot dem damaligen Museumsdirektor Thomas Hoving die Vase zum Kauf an. Ebenfalls soll ein libanesischer Händler involviert gewesen sein, in dessen Familienbesitz sich die Vase seit 1920 befunden haben sollte. In seinen Memoiren schrieb der Museumsdirektor später, dass er schon damals ahnte, mit dem Krater einen geraubten Kunstgegenstand zu erwerben. Dennoch stimmte er dem Kauf zu.
Wie die Vase tatsächlich in den Besitz des Geschäftsmannes Hecht kam, konnte schließlich aus dessen Aufzeichnungen rekonstruiert werden. Demnach erhielt er das Stück von dem italienischen Hehler Giacomo Medici, der das Gefäß direkt von einer illegalen Grabung aufgekauft hatte. Der sensationelle Fund wurde vermutlich 1971 in einer etruskischen Grabstätte nordwestlich von Rom ausgegraben, die Grabräuber erhielten damals nur etwa 9000 Dollar für das Stück.
2004 wurde Medici wegen Handels mit geplünderter Kunst zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil über seinen Schweizer Kollegen Robert Hecht steht noch aus.
Im Februar 2006 hat das MET offiziell eine Restitutionserklärung für 21 von Italien eingeforderte Artefakte unterzeichnet - inklusive des "Superstars Sarpedon-Krater, der am 15. Januar 2008 seine Heimreise antreten wird. Dem New Yorker Museum soll dafür ein gleichwertiges Artefakt als Leihgaben zur Verfügung gestellt werden. Eine diesbezügliche "Wunschliste" wurde bereits an Italien übergeben.
"Italy has won, the Met hasn't lost and what has benefited is culture" stellte Italiens Kulturminister Rocco Buttiglione anlässlich der Unterzeichnung der Restitutionserklärung zufrieden fest.
Italien hat damit bewiesen, dass es den Schutz seines kulturellen Erbes ernst nimmt und konsequent gegen Plünderungen vorgeht. Das New Yorker Museum hat durch die Rückgabe der Stücke begangene Fehler eingestanden, aber dennoch das Gesicht wahren können. Unverständlich ist das Bedauern des MET-Direktors Philipe de Montebello über die schärferen internationalen Richtlinien, die Klagen wie denen im Falle Italien mehr und mehr Gewicht geben werden. Seine Sorge, dass diese Richtlinien schwindende Museumsbestände zur Folge hätten und seinen Landleuten somit der Zugang zu Bildung und Erbauung verwehrt werden würde, ist angesichts des großzügigen Angebotes von Dauerleihgaben aus Italien nicht nachvollziehbar.
Zu hoffen bleibt, dass der Fall zusammen mit der Klage gegen Marion True, der ehemaligen Kuratorin des Getty-Museums in Los Angeles, eine Wende im Umgang mit illegal gehandelten Antiquitäten bedeuten wird. Immerhin soll auch das Getty-Museum, eines der reichsten und größten Museen der Welt, nun über 40 Objekte an Italien zurückgeben. Marion True hatte den Bestand des Museums systematisch durch Ankäufe aus dem Schwarzmarkt aufgewertet, obwohl sie selbst öffentlich noch Maßstäbe bezüglich der Provenienzen für Erwerbungen des Getty-Museums gesetzt hatte. Nun muss sie sich ihren eigenen Maximen stellen: Zusammen mit Robert Hecht und weiteren Kunsthändlern wird sie in Italien wegen Mittäterschaft beim Handel mit geraubter Kunst angeklagt.
Nach den erfolgreichen Klagen Italiens gegen das Getty-Museum und das MET werden auch weitere Museen Verantwortung für ihre illegal erworbenen Objekt übernehmen müssen. Der "Hot Pot" könnte helfen, das Eis zum Schmelzen zu bringen.
Links:
Metropolitan Museum: Der Sarpedon-Krater (Englisch)
Super Art Gems of New York City by Thomas Hoving (Englisch)
Wikipedia: Der Euphronios-Krater (Englisch)
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