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Statistiken gibt es nicht, aber offizielle Rückgabeforderungen aus Afrika, Asien oder Lateinamerika sind für weniger als 100 Objekte bekannt.
Der Blick über den Nofretete-Tellerrand auf einige ihrer "Gefährten" soll zeigen, wie unterschiedlich und komplex einzelne Fälle sind: Jede Rückgabeforderung für ein Kulturgut muss für sich betrachtet werden. Aber dennoch gibt es Parallelen - vor allem in der Geschichte, wie die Kulturgüter nach Europa gekommen sind, aber auch in der heutigen Einstellung zu den Besitzverhältnissen.
Die große Mehrzahl der afrikanischen, asiatischen, lateinamerikanischen und der Südsee-Kunst ist im Kontext der Eroberungen und Kolonisierungen nach Europa gekommen. Um die gewünschten Machtverhältnisse in den eroberten Ländern zu etablieren und aufrechtzuerhalten, waren Unterdrückung, kriegerische Auseinandersetzung und Enteignung an der Tagesordnung. Die koloniale Herrschaft erlaubte europäischen Forschungsreisenden, Kolonialbeamten und Abenteurern über Jahrhunderte, eine bis heute nur grob schätzbare Menge an Kunst- und Kulturobjekten aus ehemaligen Kolonien und angrenzenden Gebieten aus der ganzen Welt nach Europa zu bringen.
Heute setzt sich dieser Trend im illegalen Handel mit außereuropäischen Kunstgegenständen und Antiken fort, der für den Privatbesitz, aber auch für Museen die Plünderungen in den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas anheizt.
Die UNESCO vermutet, dass sich in europäischen Museen zwischen 20 und 30 Millionen außereuropäische Kulturgüter von Sammlerwert befinden. Die hiesigen Bestände an Kunst und Kultur aus Übersee sind damit insgesamt um ein Vielfaches größer als in den Herkunftsländern. Einige Regionen verfügen heute über kein einziges Exponat. Andere haben zwar einen Großteil ihres Kulturerbes im eigenen Land, vermissen aber bedeutende Einzelstücke. So kann man heute, nachdem die meisten Kolonien seit mehr als 40 Jahren unabhängig sind, resümieren: Viel seltener, als man annehmen möchte, werden europäische Museen oder Staaten überhaupt mit Rückgabeforderungen konfrontiert.
Anders als die Rückgabeansprüche Italiens an die großen US-amerikanischen Kunsthäuser Getty und Metropolitan oder Griechenlands Kampf um die Rückgabe der "Elgin-Marbles", finden die Forderungen z.B. afrikanischer Länder bekanntlich wenig Gehör in der Öffentlichkeit.
Dennoch gibt es auch vereinzelte gute Nachrichten. Vor dem UNESCO-Komitee, das bei strittigen Rückgabeforderungen den Ländern vermittelnd zur Seite steht, ist gerade die Forderung Tansanias an die Schweiz anhängig, eine Makonde-Maske zurückzugeben. Noch ist der Ausgang der Verhandlungen offen, aber immerhin gibt es offizielle bilaterale Verhandlungen: ein erster wichtiger Schritt, der seitens der europäischen Museen oder Regierungen im Regelfall umgangen wird.
Äthiopien hat gerade von Italien den so genannten "Axum-Obelisken" zurückbekommen, den Mussolini im Zweiten Weltkrieg gestohlen hatte. Es hatte jedoch mehrere Jahrzehnte gedauert, bis sich die italienische Seite zur vertraglich bereits 1945 geregelten Rückgabe entschließen konnte.
In Wien liegt dem Parlament eine Anfrage der Grünen vor, den "Penacho de Montezuma" als Geste der Freundschaft an Mexiko zurückzugeben.
Die vier Beispiele auf den folgenden Seiten zeigen, wie unterschiedlich die einzelnen Fälle sind: Jedes Kulturgut hat seine eigene Geschichte. Das kann bei den wenigen bestehenden Forderungen aber kein Hindernis darstellen, um faire politische Lösungen zu entwickeln. |