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Kairo - Berlin: Forderungen und Reaktionen
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Diese Übersicht zeigt in zeitlicher Reihenfolge die konkreten Forderungen und die Reaktionen, die von Kairo und von Berlin zwischen 1924 und 2007 vorgebracht wurden.
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Kairo |
Berlin
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1924 |
1924 |
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Kairo erfährt von der Existenz der Büste, reagiert empört und fordert ihre sofortige Rückgabe. |
10 Jahre nach Ankunft der Büste wird diese erstmals der Berliner Öffentlichkeit vorgestellt.
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1925 |
1925 |
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Kairo sucht das Gespräch und schlägt ein Schiedsgericht vor. |
Berlin beharrt auf dem juristisch eindeutigen Besitztitel und lehnt das Schiedsgericht ab.
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1928 |
1929 |
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Kairo schlägt ein Tauschgeschäft vor. |
In Berlin einigt man sich grundsätzlich auf ein Tauschgeschäft und stellt Forderungen nach drei wertvollen Objekten.
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1929 |
1930 |
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Kairo erklärt sich mit den Forderungen Berlins einverstanden. |
Das Tauschgeschäft kommt doch nicht zustande. Berlin verweist auf die Bedeutung der Büste für die Hauptstadt.
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1930er |
1933 |
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Kairo setzt seine Bemühungen fort und wendet sich an die deutsche Regierung. |
Herrmann Göring plant die Rückgabe für den Oktober 1933. Adolf Hitler widerspricht und beendet das Vorhaben mit einem Machtwort. Die Gespräche mit Kairo werden abgebrochen.
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1946 |
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Der ägyptische Premierminister wendet sich an die Amerikanische Regierung, unter deren Obhut sich die Büste nach dem Krieg befindet. Das State Department sieht sich nicht zuständig und lehnt eine Rückgabe ab.
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1950er |
1950er |
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Kairo versucht wiederholt, in Berlin vorzusprechen. |
Keine Gesprächsbereitschaft in Berlin. Die Regierung der BRD argumentiert, dass am rechtmäßigen Besitztitel keine Zweifel bestünden.
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1959 |
1959 |
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Kairo schlägt erneut ein Tauschgeschäft vor. |
Berlin lehnt das Tauschangebot ab.
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1975 |
1975 |
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Kairo interveniert in den innerdeutschen Streit um Nofretete und fordert beide Parteien auf, sie in ihr Heimatland zurückzugeben.
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Keine Reaktionen seitens BRD oder DDR.
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1995 |
1995 |
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Der ägyptische Kulturminister Farouk Hosny fordert die Rückgabe der Nofretete für das projektierte große neue Museum in Ägypten: "Wir wollen nur einige wenige Zeugen unserer großen Geschichte zurückhaben... Wirklich nur einige der allerwichtigsten Stücke. Es ist doch sicher nicht zuviel verlangt, wenn wir die Staaten, in denen ägyptische Altertümer ausgestellt werden, bitten, uns von jeweils tausend Ausstellungsstücken ein Exponat zu überlassen." (Der Spiegel, 20/1995).
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Keine öffentliche Reaktion aus Berlin.
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2002 |
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Die ägyptische Altertümerverwaltung (SCA) initiiert eine massive Kampagne für die Rückgabe von Antiken aus internationalen Sammlungen.
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02/2002 |
2002 |
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Im Zusammenhang mit der Rückführung des restaurierten Echnaton-Sarges nach Ägypten fordert Hosny die Rückkehr der Büste nach Kairo.
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Keine öffentliche Reaktion aus Berlin.
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2003 |
2003 |
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Als Reaktion auf die Kunstaktion, bei der die Büste auf einem nackten Frauenkörper dargestellt wird, fordern der Kulturminister Hosny und der Chef der SCA Zahi Hawass die sofortige Rückgabe.
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Das ägyptische Museum stellt die Büste zwei ungarischen Künstlern für eine Kunstaktion für die Biennale in Venedig zur Verfügung. |
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09/2003 |
09/2003 |
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Kairo wendet sich an die UNESCO und bittet um Unterstützung. |
Berlin beantwortet keinerlei Anfragen und nimmt kommentarlos die Ankündigung der Kunstaktion von der Website des Museums.
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09/2003 |
09/2003 |
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Hawass begründet eine erneute Rückgabeforderung u.a. mit einem Betrug bei der Fundteilung von deutscher Seite. |
Dietrich Wildung, Direktor des Ägyptischen Museums, bezeichnet Hawass als unkooperativ. Eine Rückgabe "stehe nicht einmal zur Diskussion" (Egypt today, 09/2003).
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2004 |
2004 |
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Wafaa el-Saddik, Direktorin des Nationalmuseums in Kairo, erbittet erstmals eine Ausleihe der Büste für eine zweimonatige Ausstellung.
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Keine öffentliche Reaktion aus Berlin. |
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2005 |
2005 |
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Hawass trägt die Rückgabeforderung dem zuständigen UNESCO-Komitee für strittige Restitutionsforderungen vor. |
Berlin lehnt Verhandlung vor dem Komitee ab, so dass die UNESCO ihre vermittelnde Tätigkeit nicht aufnehmen kann. Im August zieht die Büste in das Alte Museum auf die Museumsinsel um. Auf der Tafel im Museum wird die Bedeutung des Fundes der Büste 1912 so beschrieben: "Altägypten hat eine neue Symbolfigur und die Berliner Museen gewinnen eine neue Identität."
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02/2006 |
2006 |
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El-Saddik schlägt eine gemeinsame Nofretete-Ausstellung in Kairo vor: "Alle Ägypter fordern die Rückgabe. ... Es wird natürlich sehr schwer werden. Ich weiß sehr gut, dass Nofretete für Berlin besonders wichtig ist. Doch sie ist Ägypterin. Vielleicht wird es möglich sein, zusammen eine Ausstellung zu machen. Ich dachte daran, sie gemeinsam mit unserer Nofretete zu zeigen. ... Die Angst, wir würden Nofretete in Ägypten behalten, ist unbegründet" (Berliner Zeitung 18.02.06).
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Keine öffentliche Reaktion aus Berlin. |
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05/2006 |
05/2006 |
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Bei der Ausstellungseröffnung 'Ägyptens versunkene Schätze' bittet Hawass in Anwesenheit von Staatspräsident Mubarak und Bundespräsident Köhler um "einen Besuch der Königin Nofretete" im Rahmen der Ausstellung zur Geschichte des DAI in Kairo im November 2007 und bietet alle internationalen Garantien, die eine ordnungsgemäße Rückgabe nach drei Monaten sicherstellen sowie "ein schönes Stück aus Ägypten" an (Die Welt, 13.05.06).
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Ein Sprecher der Staatlichen Museen in Berlin reagiert mit den Worten, "die Dame ist nach 3000 Jahren nicht mehr reisewillig" (Die Welt, 13.05.06). |
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06/2006 |
06/2006 |
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Hosny fordert auf einer Konferenz in Rom gegenüber Wildung die Rückgabe der Büste. |
Wildung entgegnet Hosny mit dem Hinweis, er müsse im Fall der Rückgabe das Museum schließen: "You want to take Nefertiti's bust ... so what can we do? Shall we close the museum?" (Al-Ahram 797/2006)
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09/2006 |
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Hawass äußert in einem Interview sein Bedauern über die Blockadehaltung in Berlin und kündigt erneute Rückgabeforderungen an: "In front of the president of Germany, I said, 'I hope, Mr. President, that we can have the bust of Nefertiti as a loan for three month. In return, we will give Germany a masterpiece - perhaps even better than this one - for three months.' They refused! This is why next year I will make it an international mission with the support of the archaeological community. I was not asking for everything to come back- not at all. I was asking for the unique pieces to come back on loan, so that they can be seen by the Egyptian people who never travel. Because I was refused, my strategy now is not to have it for a loan but to have it back" (Egypt Today, 09/2006).
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12/2006 |
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El-Saddik trägt erneut den Wunsch nach einer Ausleihe der Büste vor: "Wir würden sie gern mit unserer Nofretete zeigen. Die Kollegen in Berlin behaupten, die Büste könne nicht transportiert werden. Doch die Transporttechniken sind heute sehr weit entwickelt. Was die Sorge betrifft, wir würden sie hier behalten, kann ich nur sagen: Sie ist unbegründet. Es gibt staatliche Verträge. Rückgabeforderungen stellen wir für jene Objekte, die illegal ausgeführt wurden" (Berliner Zeitung 22.12.2006).
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03/2007 |
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Auf einer Podiumsdiskussion zitiert Wildung den ägyptischen Botschafter Al-Orabi: "Nofretete ist Ägyptens ständige Vertreterin in Deutschland." Zuvor hatte er sie immer als die "beste Botschafterin Ägyptens" bezeichnet.
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4/2007 |
4/2007 |
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Hawass kritisiert Neumanns Reaktion vor dem ägyptischen Parlament und kündigt Sanktionen an, sollte eine Ausleihe der Büste von deutscher Seite verhindert werden. Er werde In einem Brief an den Kulturstaatsminister die Ausleihe der Büste für die Eröffnung des neuen Museums bei den Pyramiden 2012 fordern. Kulturminister Hosny kommentiert: Deutschland begehe einen "Fehler", wenn es die Ausleihe ablehne. "Die Ägypter haben das Recht, die seltenen Stücke aus ihrer Antike, die sich im Ausland befinden, zu bewundern". |
Kulturminister Bernd Neumann lehnt die Ausleihe der Büste "aus konservatorischen Gründen" ab. Sie sei nicht transportierbar. |
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Eine parlamentarische Initiative im Bundestag stellt Fragen zum konservatorischen Status der Büste. |
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