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Ein passender Anlass wäre das "Kolumbus-Jahr" 1992 gewesen. Damals organisierte der Verein eine Demonstration mit rund 100 Vertretern der indigenen Bevölkerung Mexikos und sammelte fast 100.000 Unterschriften für die Rückgabe der Federkrone. Der Direktor des Wiener Museums für Völkerkunde, Hofrat Professor Dr. Hans Manndorf zeigte sich damals wenig beeindruckt. Auf die Aktivitäten angesprochen bat er, man möge ihn mit dem "Springböcken" und "Heuschrecken" vor seiner Tür in Ruhe lassen. Als ein Jahr später der Menschenrechtsgipfel der UNO in Wien stattfand und sich erneut eine kleine Gruppe von Demonstranten vor dem Museum für Völkerkunde versammelte, wurde die Veranstaltung von der Polizei gewaltsam beendet.
Auch zahlreiche mexikanische Politiker haben immer wieder die Rückgabe der Federkrone gefordert, so zuletzt der damalige Präsident Vicente Fox am Rand des EU-Lateinamerika/Karibik-Gipfels, der im Mai 2006 in Wien stattfand.
Von Seiten des Völkerkundemuseums in Wien gibt es zahlreiche Bemühungen, den Federschmuck und seine Bedeutung zu entmystifizieren. Betont wird vor allem, was das Stück nicht sei: Demnach ist es keines der Gastgeschenke des Montezuma an Hernán Cortés, welche ihm bei seiner Ankunft 1519 überbracht wurden, noch ein Sammlerstück aus den Schatzkammern des Montezuma, deren sich der spanische Eroberer auf seiner Suche nach Gold und exotischen Schätzen bemächtigt hatte. So schrieb er 1520 in einem Brief an seinen Kaiser auch unverblümt: "Nachdem ich so den Palast all seiner Schätze beraubt hatte, verließ ich ihn in aller Heimlichkeit."
Ob es sich überhaupt um eine Herrschaftsinsignie des letzten Souveräns der Azteken handelt, ist umstritten. Eine von der österreichischen Regierung eingesetzte Expertenkommission deutete die Krone als Bestandteil einer Priestertracht, die im Rahmen von Ritualen getragen wurde. Im 16. Jahrhundert sollen Hunderte vergleichbare Stücke nach Europa gekommen sein, aber nur der in Wien ausgestellte "Federbusch" - spanisch "Penacho" - ist erhalten geblieben. Zusammen mit vier weiteren mexikanischen Federmosaikarbeiten ist er eines der letzten Zeugnisse präkolumbianischer Federkunst überhaupt. Selbst aller Mystifizierungen entbunden, schätzt der Leiter des Völkerkundemuseums Christian Feest den Federschmuck daher als eines der "(...) für den heutigen Betrachter einzigartigen Dokumente sowohl des alten Amerika als auch des neuen Europa des 16. Jahrhunderts, das die eingeborenen Kulturen von der Herrschaft über die Neue Welt in die rare Welt der Wunderkammern verdrängte" ein.
In diese Welt der Wunderkammern lässt sich auch die Geschichte des Penacho zurückverfolgen. Als Bestandteil der bedeutenden Kunstsammlungen des Erzherzog Ferdinand II wurde der Federschmuck in einer Inventarliste von 1596 noch als "ain mörischer Huet" - ein Kopfschmuck von maurischer Herkunft - missgedeutet.
Das Haus Habsburg kaufte einen Teil der als "Ambraser Sammlung" bekannt gewordenen Kabinette und auch der Penacho gelangte so in habsburgischen Besitz. Der Kustos der ethnografischen Abteilung des k.k. naturhistorischen Museums in Wien fand bei einer Sichtung der Sammlung 1878 den Hauptschmuck, zusammengefaltet und von Motten zerfressen, in der Ecke eines Wandkastens.
Dass das Objekt völlig legal erworben ist, wird in Österreich nicht in Frage gestellt und eine Rückgabe aus diesem Grunde bisher abgelehnt. Und so sieht auch Christian Feest den Besitz der altmexikanischen Stücke unanfechtbar: "Heute ist die Republik Österreich Verwalterin dieses unverzichtbaren österreichischen Kulturerbes, das als solches zum Weltkulturbesitz gehört. Dieses gilt es zu hüten und zu pflegen." Der rein politisch gesinnten Debatte in Mexiko gelte es "den langen Atem der Geschichte" entgegenzuhalten, sagte Feest vor dem außenpolitischen Ausschuss das österreichischen Parlamentes. Und so begründet auch die offizielle Museumsseite ihren Anspruch auf die Federkrone: "Sie ist länger in Österreich als sie es in Mexiko je war, sie ist ebenso ein Artefakt europäischer Tradition."
Dennoch mehren sich in Österreich die kritischen Stimmen, die eine Rückgabe der Federkrone an Mexiko aus moralischen Gründen befürworten. Um den rechtlichen Anspruch nicht in Frage zu stellen, gab es zu verschiedensten Anlässen immer wieder Bestrebungen, das symbolträchtige Federkunstwerk als ein Geschenk zurückzugeben.
"Für Mexiko bedeutet diese Gabe unendlich viel, für uns nur das Opfer von ein paar Federn" sagte Rudolf Burger, Rektor der Wiener Kunstakademie, bereits 1996. Im selben Jahr hatte der damalige Bundespräsident Thomas Klestil anlässlich des österreichischen Milleniums die Rückgabe von allen widerrechtlich erworbenen Kulturgütern aus österreichischen Museen angeregt. In diesem Zusammenhang plante er auch, den Federschmuck als Zeichen der Dankbarkeit zu überreichen - dafür, dass Mexiko als erstes Land 1938 im Völkerbund gegen die Annektion Österreichs durch das NS-Regime protestiert hatte. Von Seiten der Politiker und Museumsdirektoren hagelte es Kritik: "Wenn wir damit anfangen würden - was stellen die Österreicher nachher aus? Kuhglocken?" bemerkte Elisabeth Gehrer, damals Ministerin für Bildung und kulturelle Angelegenheiten, auf den Vorschlag des Bundespräsidenten angesprochen. Und teilte damit die Sorge der Museumsfachwelt, dass mit der Rückgabe ein Präzedenzfall geschaffen werden könnte.
Im Jubiläumsjahr 2005 wurde im österreichischen Parlament offiziell ein Antrag betreffend der Rückgabe der Federkrone gestellt - und auf unbestimmte Zeit vertagt. Seit März 2007 liegt nun ein erneuter Entschließungsantrag vor. "Es handelt sich dabei um keine Rückgabe im rechtlichen Sinn, denn die Federkrone dürfte nach allen uns zur Verfügung stehenden Unterlagen völlig rechtmäßig in österreichischen Besitz gekommen sein, sondern um einen Akt der Freundschaft und der Dankbarkeit" betont Wolfgang Zinggl, parlamentarischer Abgeordneter der Grünen. Er befürworte eine Rückgabe, da ein mythologisch derart aufgeladenes Stück im eigenen Land mehr Aufgaben erfüllen könne als in Österreich, "wo es lediglich als ein ethnologischer Schatz unter vielen dahintümpelt."
Einen passenden Anlass gäbe es zumindest schon, denn 2008 jährt sich das Ereignis von 1938 erneut.
Anne Dellemann
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